Enttäuschende Ergebnisse

Taglilien sind eigentlich unkomplizierte Gartenpflanzen, die in der Regel mit geringem Aufwand problemlos gedeihen. Manchmal treten jedoch Probleme auf, die man vielleicht am besten mit dem Wort 'Gedeihstörung' (performance problems) bezeichnen könnte - die Pflanze liefert nicht das Erscheinungsbild, das man sich von ihr erwartet hat.

In dieser Zusammenfassung finden Sie eine Übersicht der Symptome, ihrer möglichen Ursachen und Praxistipps, wie man das Wuchs- und Blühverhalten der Pflanze verbessern kann.

Blüten öffnen schlecht (werden unvollständig entfaltet)
Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Zu geringe Temperaturen:
    möchte man nicht auf Züchtungen aus nördlicheren Regionen ausweichen, die auch bei kühlen Temperaturen oft noch zufriedenstellend öffnen, kann man mit geschickter Standortwahl und Standortoptimierung im Garten die Blütenöffnung kältempfindlicher Sorten wie folgt verbessern:
    • einen windgeschützten und ausreichend besonnten Standort wählen, idealerweise vor einer wärmespeichernden Mauer
    • den Boden mit wärmespeicherndem dunkleren mineralischen Mulch abdecken
    • das Pflanzsubstrat aufbessern (‚kalten‘ Lehm mit humosem und sandigem Material mischen)
  • Wassermangel:
    Sind die Temperaturen für eine normale Blütenöffnung ausreichend (um die 15°C nachts und über 20°C tagsüber), löst abendliches wässern das Problem meist sehr rasch. Eine ideal geöffnete Blüte einer großblütigen Sorte enthält ca. 30 g Wasser (gefüllte oder sehr üppig gerüschte auch mehr) – bei großen Horsten mit vielen Stängeln ist der Bedarf pro Tag zur Hochblüte beachtlich. Je mehr Blütensubstanz entfaltet werden soll (Rüschen, zusätzliche oder sehr großflächige Blütenblätter), desto größer sind die benötigten Wassermengen, um die Blüten perfekt ‚aufpumpen‘ zu können.  

Knospen werden abgeworfen 
Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Wassermangel – siehe oben

  • Befall mit Hemerocallis-Gall-Midge – siehe Schädlinge unter 'Hemerocallis-Gall-Midge'

  • Ungünstige Sorteneigenschaft:
    Mir sind bisher einige wenige Sorten untergekommen, die unglaublich viele Knospen anlegen, aber trotz bester Versorgung immer einen Teil davon abwerfen; bei Obstbäumen ist dieses Phänomen bekannt (Fruchtabwurf bei zu vielen befruchteten Blüten - Alternanz).

    Möglicherweise hängt der Knospenabwurf bei diesen Sorten hier im Garten aber auch mit den sehr hohen Temperaturen (30-35°C, manchmal auch darüber) zur Blütezeit ab. Hier verblühen auch große Horste oft im Eilzugstempo, es öffnen dann täglich sehr viele Blüten und ein so entstehender Versorgungsengpaß ist bei sehr vielen Knospen durchaus denkbar. 

Blütenfarbe/Blütengröße/Stängelhöhe weicht ab
Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Akklimatisierungsprobleme:
    Hat man die Pflanze aus einer Region bekommen, deren klimatische Bedingungen sehr von den eigenen abweichen, sind des öfteren die Blüten im ersten, manchmal auch im zweiten Standjahr am neuen Pflanzplatz nicht wie sie es sein könnten. In solchen Fällen ist Geduld gefragt - blüht eine Sorte aber auch im 3. Standjahr nicht wie zu erwarten, liegen in der Regel andere Gründe für den fehlenden Erfolg vor.
  • Die Pflanze ist noch zu jung:
    Sehr junge Pflanzen (kleine Teilstücke - gerade mal blühfähige Einzelfächer) haben oft noch keine optimal entwickelten Blüten. Hier hilft neben Geduld vor allem eine gute Versorgung, damit die Pflanze im kommenden Jahr genug Kraft für eine normale Blüte hat. Sehr hohe Sorten, vor allem Spider und Ufos benötigen auch bei idealer Versorgungslage oft mehrere Jahre um verläßlich die üblichen Stängelhöhen zu produzieren.
  • Standortbedingungen suboptimal:
    Ist der Standort im Garten zu trocken und zu mager, kann keine Sorte zeigen, was in ihr steckt; paßt der pH-Wert des Bodens nicht (sehr sauer oder sehr alkalisch), sind Farbabweichungen nicht selten; die Optimierung der Standortbedingungen hilft hier meist innerhalb von 1-2 Saisonen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
  • Registrierungsdaten fehlerhaft:
    Die von den Züchtern bei der Registrierung angegebenen Daten werden nicht auf ihre Korrektheit überprüft - nicht immer sind sie zuverlässig.

    Beispielsweise erreichen einige miniaturblütige Sorten bei normalen Standortbedingungen zuverlässig wesentlich höhere Stängelhöhen als registriert. Ebenso bleiben einige Spider und Unusual Forms (UFO's) verläßlich kleiner als angegeben und das unabhängig von der Klimazone und den Bodenverhältnissen.

    Bei Sortenrecherchen in US-Foren läßt sich abklären, ob diese Abweichungen sortentypisch sind, was für deutschsprachige Taglilienfreunde nicht immer einfach ist. Daher finden Sie bei den Sorten, die ich hier empfehlen, entsprechende Angaben, falls sie in diese Gruppe fallen.

  • Photo-Shop-Syndrom:
    Einige Züchter/Verkäufer behübschen ihre Originalfotos gerne mit technischer Finesse. Aber auch schon Fotografieren am frühen Morgen oder im Abendlicht (bläulich wirkendes Laub ist ein auffälliger Hinweis darauf) kann die reale Blütenfarbe sehr stark verfälschen.

    Zur Sicherheit sollte man sich daher mehrere Fotos einer Sorte aus unterschiedlichen Quellen ansehen. Eine Bildersuche im Internet oder bei einer der frei verfügbaren Tagliliendatenbanken hilft hier, eine konkrete Vorstellung von der Realität im Garten zu bekommen.

  • Fehllieferung:
    Weicht die Blüte bzw. die ganze Pflanze in Größe und Habitus stark von der Sortenbezeichnung, mit der man sie bekommen hat ab, kann in letzter Konsequenz auch eine Fehllieferung die Ursache dafür sein. Im Zweifelsfalle ist eine freundliche Rücksprache mit der Bezugsquelle sinnvoll – Fotos der fraglichen Sorte und Größenangaben sind bei der Identifizierung hilfreich. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei Verwechslungen in der Regel die korrekte Sorte nachgeliefert wird.   

 

Winterschaden/Kronenfäule
Erkennungszeichen:

  • Bei immergrünen Sorten, deren Blattschopf über den Winter im Wesentlichen erhalten bleibt, zeigt sich ein Winterschaden im Spätwinter oder Frühling durch an der Basis matschige oder glasig wirkende Fächer, die zu faulen beginnen.
  • Auch halbimmergrüne Sorten, deren Blattschopf brauner wirkt und oft nur an der Basis grün bleibt, können diese Symptome zeigen.
  • Bei den einziehenden Sorten wird er erst erkennbar, wenn der Austrieb nicht wie erwartet, sondern nur reduziert erfolgt (anstatt vieler zentraler kräftiger Fächer werden seitlich nur einzelne deutlich kleinere ausgetrieben). 

Ursache:

  • Zu viel Winter-Niederschlag, Staunässe im Boden,  dauernder Wechsel zwischen geringen Plus- und Minusgraden.
  • Entgegen der häufig vertretenen Meinung sind Minustemperaturen nicht der primäre Auslöser – konstante Minusgrade unter einer geschlossenen Schneedecke werden auch von vielen immergrünen Sorten sehr gut vertragen.

Sofortmaßnahme:

  • Pflanze ausgraben, matschige Anteile entfernen, mit einem scharfen desinfizierten Messer die betroffenen Fächer in mehreren Etappen vorsichtig zurückschneiden – so tief, bis die Schnittfläche nicht mehr bräunlich verfärbt/weich ist.
  • Pflanze abtrocknen lassen, Schnittfläche mit Aktivkohlepulver bestäuben (Kohletabletten im Mörser zerkleinern, im Notfall Holzkohle verwenden) und in durchlässiges Substrat topfen. Die Schnittfläche soll nicht mit Erde bedeckt werden. Trocken halten (am besten unterm Dachüberstand) und erst nach kräftigem Neuaustrieb wieder ins Beet setzen.   
  • Ist man mit der Prozedur vertraut und ausreichend geübt, kann man auch die Pflanze im Beet an der Oberfläche freigraben (Erde entfernen), die betroffenen Fächer im Beet zurückschneiden und mit Kohlepulver gegen weitere Fäulnis bestäuben. Ein vorübergehender Schutz gegen Niederschläge ist auch im Beet ratsam (Abdeckung  anbringen). Die entfernte Erde erst wieder auffüllen, wenn die Pflanze sich erholt hat.

Vorbeugung:

  • Pflanzung in durchlässigem Substrat, wenn nötig Mutterboden entsprechend aufbessern; bei lehmigem Boden erhöhte Pflanzung, damit die Winternässe rascher abfließen kann.
  • handbreiter Rückschnitt im Herbst, damit die verbleibenden Blätter schneller abtrocknen, wasserabschirmende Abdeckung in der kalten Jahreszeit anbringen.

Pflanze will nicht blühen
Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Die Pflanze ist noch zu klein und deshalb nicht blühfähig - siehe Pflanze noch zu jung

  • Umpflanzungsschock; die Pflanze setzt ein Jahr mit der Blüte aus - siehe  Akklimatisierungsprobleme

  • Nährstoff-/Wassermangel im Sommer und Herbst, wenn die Knospen für die nächste Saison angelegt werden – siehe Standortbedingungen suboptimal

  • Schädigung der Pflanze; Pflanzen, die sich von Spring Sickness oder einem Winterschaden erholen müssen, blühen häufig zumindest eine Saison lang nicht - siehe Spring Sickness und Winterschaden/Kronenfäule 

  • Nicht blühende Klone: 
    Dabei handelt es sich um genetisch deformierte nicht blühfähige Pflanzen, ein Phänomen, daß unter Meristem-Vermehrung (Massenproduktion von Jungpflanzen im Labor per Gewebe-Kultur) auftreten kann; mittlerweile selten, weil viele Anbieter die so gezüchteten Jungpflanzen bis zur ersten ‚Testblüte‘ in Erde kultivieren und nicht blühfähige Klone entsorgen.

    Blüht eine Taglilie trotz geeignetem Standort und ausreichender Versorgung auch im 4. Standjahr nicht, obwohl sie normalen Fächerzuwachs zeigt, kann das als Hinweis gewertet werden. Leider gibt es für dieses Problem keine Abhilfe.
     

Laubveränderungen
Die häufigsten Symptome sind:

  • Gelb und dann braun werdende Blätter
    Die häufigste Ursache dafür ist Wassermangel. Kann man diese Ursache ausschließen und die Symptome treten während oder unmittelbar nach der Blüte auf, werden sie durch den natürlichen Laubwechsel in dieser Wachstumsphase ausgelöst.

    Taglilien weisen zwei starke Wachstumsphasen pro Jahr auf - eine im Frühling und eine nach der Blüte im Hochsommer. In beiden Phasen werden neue Fächer und Blütenstängel (bei einmalblühenden Sorten nur im Frühling) angelegt und ausgetrieben. Altes Laub - falls vorhanden (bei immergrünen Sorten im Frühling gut zu beobachten) wird nicht mehr ausreichend versorgt und trocknet ein.

    Ich entferne die absterbenden Blätter im Hochsommer, weil ich den Anblick unerfreulich finde - sie lassen sich einfach auszupfen. Notwendig ist diese Maßnahme allerdings nicht.

  • Hell- und dunkelgrün gestreiftes Laub 
    Sie werden in der Regel durch Eisenmangel (Chlorose) hervorgerufen - siehe 'Krankheiten' unter Chlorose 
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  • Braune Streifen/Flecken/Tupfen am Laub
    Meist werden sie durch taglilienspezifische Pilzerkrankungen (leaf streak, daylily rust) hervorgerufen - siehe 'Krankheiten' unter Pilzerkrankungen

  • Pünktchen, Sprenkeln, gelblich weiß wirkende Blätter, die dann vertrocknen
    Diese Symptome werden durch den Befall mit Spinnmilben hervorgerufen, meist entdeckt man bei genauerem Hinsehen feine Gespinste Spinnmilben, siehe Schädlinge unter ‚Spinnmilben‘.

 

Allgemeine Informationen finden Sie unter Kulturprobleme.

Weitere Details finden sie unter Schädlinge und Krankheiten.