Weiss wirkende Sorten

Jahrzehntelang haben verschiedene Taglilien-Züchter das Ziel verfolgt, strahlend weiße Sorten zu züchten. Die erzielten Fortschritte waren nicht überzeugend und neue Trends haben dieses Zuchtziel weitgehend abgelöst. 

Einige wenige Enthusiasten bleiben aber dran - beispielhaft möchte ich hier Stuart Kendig mit seinem white evaluation project* anführen, der daran arbeitet, die aktuell 'weißesten' Sorten zu identifizieren und mit ihnen noch weißere zu züchten. (*letzter Absatz unten auf der Seite - der dort integrierte Link führt zu einem sehr anschaulichen Video, in dem er die Unterschiede zeigt -  ist auch verständlich, wenn man kein Englisch kann).  

Vergleicht man die erzielten Blütenfarben der derzeit weißesten Sorten mit dem reinen Weiß einer Margeritenblüte, kann man erkennen, daß das Ziel nach wie vor nicht wirklich erreicht wurde, obwohl einige Sorten im Beet eine sehr ‚weiße Wirkung‘ erzielen können. Sie werden daher als near whites bezeichnet.

  • Im eigenen Garten kann man diese Wirkung durch passende Sortenwahl,  überlegte Standortsuche und Bodenvorbereitung verbessern. Grundsätzlich wirken diploide Sorten eher weißer als tetraploide, auch wenn es innerhalb beider Gruppen große Unterschiede gibt.
  • Die dünnere Blütensubstanz sehr heller diploider Sorten ist allerdings häufig hitze- und vor allem sonnenempfindlich, daher leiden die Blüten bei Pflanzung an sehr stark besonnten und heißen Stellen oft schon am Nachmittag und werden unansehnlich.
  • Die Blüten tetraploider Sorten in dieser Farbgruppe sind weniger empfindlich, tendieren aber bei zu starker Sonneneinstrahlung/Wärme zum Vergilben, was den ‚weißen‘ Eindruck verringert.

Hier im Garten herrschen zur Blütezeit Temperaturen um die 30°C vor – daher sind die meisten Near-Whites an der kühleren Ostseite, wo sie nur in den Morgenstunden direkte Sonne bekommen, gepflanzt. Einzelne Ausnahmefälle stehen südlich im heißesten Gartenteil, die Pflanzplätze sind dort so gewählt, daß Gehölze oder hohe Stauden in der heißesten Zeit des Tages Beschattung liefern.  

Der pH-Wert des Bodens ist ebenfalls ein Einflußfaktor für die Ausprägung der Farbe – hier auf kalkhältigem Schotterboden tendiert die überwiegende Mehrzahl der Near-Whites zu einem unerfreulichen Gelbton (von zitronen- bis vanillegelb); liegt der pH-Wert niedriger, erscheint die Blütenfarbe deutlich heller. Ein teilweiser oder vollständiger Substrat-Austausch an der Pflanzstelle oder die pH-Wert-Absenkung verbessert daher häufig die Ausprägung der Färbung

Zum Schluß möchte ich noch die Wasserversorgung als Einflußfaktor auf die Farbe erwähnen – je üppiger die Blütenform einer Sorte ausfällt, desto höher ist ihr Wasserbedarf in der Blütezeit. Die Pflanze ‚pumpt‘ quasi jede einzelne Blüte am Morgen per Wasserdruck auf ihre Endgröße auf – ist dafür nicht ausreichend Wasser vorhanden, erreichen die Blüten nicht ihre normale Größe, die Substanz ist aufgeblüht quasi dichter gepackt und wirkt weniger transparent und dunkler.

Im Laufe der Jahre habe ich etliche dieser near whites getestet – die Ergebnisse waren häufig enttäuschend, weil die Bedingungen hier vor Ort für 'weiße' Sorten nicht optimal sind. Erfreulicherweise konnte ich mittlerweile doch einige Sorten identifizieren, die auch in meinem eigenen Garten sehr weiß wirken.

Einige der Testkandidaten habe ich behalten, obwohl sie eher grünlich, cremefarben oder gelblich wirken - sie haben durch andere Eigenschaften überzeugt, sei es durch Duft, Blütezeit, Blütenqualität oder Blühfreude. Hier finden Sie dazu Bilder und Sortenbezeichnungen:


Zum Vergrößern bitte Vorschau-Bilder anklicken. Bewegt man den Mauszeiger über ein Bild, erscheint der Name der gezeigten Sorte.

 

 

Strahlend weiß wirkende Sorten:

Unknown - unbekannt 4 (siehe Sortenliste), Gentle Shepherd, Heavenly Angel Ice, Lime Frost, White Crinoline.

 

 

 

Update zu Unknown - unbekannt 4:

Die Pflanze steht mittlerweile in den USA bei Stuart Kendig zur Idenfizierung und als genetischer Input für die weitere Zucht. Sie ist großblütiger und weißer als Gentle Shepherd (eine der beiden bisher allerweißesten Sorten), hat höhere Stängel und blüht reicher. 

Wenn es erste Ergebnisse dazu gibt, zeige ich sie hier gerne. Nachfolgend Vergleichsbilder zu Gentle Shepherd:

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Gentle Shepherd (links) und 'Unbekannt 4'
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Blütenblatt von Gentle Shepherd auf 'Unbekannt 4'

 

 

Grünlich weiß wirkende Sorten:

Arctic Lace, Forlorn Phantom, Ice Trumpets, Light The Way.


 

 

 

Cremeweiß wirkende Sorten:

Blizzard Bay, Guardian Angel, New Direction, Ornate Ruffles, Pale Light VT, Peggy Jeffcoat, Precious de Oro, Radiant Moonbeam, Silent Poetry, True Devotion, Victorian Lace, Voila Francois, White Lemonade.

Diese Sorten wirken hier im Beet nicht wirklich weiß, aber doch cremig-hell. Behalten habe ich nur diejenigen, die aufgrund anderer positiver Eigenschaften überzeugt haben - unter der Sortenbezeichnung sind die Vorzüge der Sorte erwähnt.

 

 

 

Gelblich wirkende Sorten:

Arctic Snow, August Frost, Peggy's Brainchild, September Frost, White Temptation.

Diese Sorten zeigen hier unabhängig von Temperaturen oder Wetterbedingungen  gelb wirkende Blüten. Um einen 'weißen' Eindruck im Garten zu erzielen, kann ich sie nicht weiter empfehlen, auch wenn sie in Gärten mit idealen Bedingungen weißer als hier gezeigt wirken können. 

 

 

 

Derzeit im Test:

Anja Beckmann, Asterisk, Everydaylily Cream, Last Snowflake, Little Fat Cat, Oirlicher Schnee, Small World Lake Effect Snow, Snowy Stella und Starman's Gift.

Von einigen dieser Sorten gibt es schon erste Bilder (in Kursivschrift genannt), die Erfahrungen sind für eine Beurteilung der Farbqualität noch nicht ausreichend: 

 

Allgemeine Informationen zu Sorten mit speziellen Farben finden Sie hier: Spezielle Farben

Hier finden Sie Informationen zu Sorten aus folgenden Farbgruppen: